Nahrungsmittelunverträglichkeiten


Was sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten?


Viele Menschen reagieren auf bestimmte Lebensmittel mit unangenehmen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall. Oft steckt dahinter eine Nahrungsmittelunverträglichkeit– auch Intoleranz genannt.
Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit kann der Körper bestimmte Bestandteile der Nahrung nicht richtig verarbeiten oder abbauen. Die Ursache liegt meist in einem Mangel an bestimmten Enzymen oder an Problemen im Verdauungssystem. Die Beschwerden entwickeln sich typischerweise schleichend über Stunden und sind meist auf den Magen-Darm-Trakt begrenzt.

Der wichtige Unterschied zur Allergie


Hier ist es wichtig, genau zu unterscheiden: Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist keine Allergie!

Nahrungsmittelallergie (Soforttyp)
Bei einer echten Nahrungsmittelallergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Nahrungsbestandteile (meist Eiweiße) und stuft diese fälschlicherweise als gefährlich ein. Der Körper bildet spezielle Antikörper (IgE-Antikörper) und schüttet bei erneutem Kontakt Histamin und andere Botenstoffe aus.
Typische Merkmale einer Allergie:
- Reaktion erfolgt meist sofort bis innerhalb von Minuten (daher “Soforttyp”)
- Bereits kleinste Mengen können ausreichen
- Beschwerden sind vielfältig: Hautreaktionen (Nesselsucht, Schwellungen), Atemwegsbeschwerden, Kreislaufprobleme
- Kann im schlimmsten Fall zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen
- Das Immunsystem ist beteiligt
- Nachweisbar durch Bluttest (IgE-Antikörper) oder Hauttest

Nahrungsmittelunverträglichkeit (Intoleranz)
Bei einer Unverträglichkeit ist das Immunsystem **nicht** beteiligt. Der Körper kann bestimmte Nahrungsbestandteile einfach nicht richtig verdauen oder verstoffwechseln.
Typische Merkmale einer Unverträglichkeit:
- Reaktion erfolgt verzögert (oft erst nach Stunden)
- Beschwerden hängen von der verzehrten Menge ab (kleine Mengen werden oft vertragen)
- Symptome betreffen hauptsächlich den Magen-Darm-Trakt: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Übelkeit
- Nicht lebensbedrohlich, aber sehr belastend für die Lebensqualität
- Das Immunsystem ist nicht beteiligt
- Andere Testverfahren erforderlich (z.B. Atemtests, Auslassdiäten)

Die häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)
Die häufigste Nahrungsmittelunverträglichkeit weltweit. Der Körper produziert zu wenig oder gar kein Enzym Laktase, das den Milchzucker (Laktose) aufspaltet. Unverdauter Milchzucker gelangt in den Dickdarm und verursacht dort Beschwerden.
Typische Symptome: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall nach dem Verzehr von Milchprodukten
Vorkommen: Betrifft etwa 15-20% der mitteleuropäischen Bevölkerung, weltweit deutlich mehr

Fruktoseintoleranz (Fruchtzuckerunverträglichkeit)
Hierbei kann der Dünndarm Fruktose (Fruchtzucker) nicht ausreichend aufnehmen. Die nicht aufgenommene Fruktose gelangt in den Dickdarm und wird dort von Bakterien vergoren.
Typische Symptome: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall besonders nach obstreichem Essen oder Fruchtsäften
Wichtig:Es gibt auch eine sehr seltene erbliche Form (hereditäre Fruktoseintoleranz), die gefährlich ist und anders behandelt werden muss.

Histaminintoleranz
Bei dieser Unverträglichkeit ist das Gleichgewicht zwischen aufgenommenem Histamin und dessen Abbau gestört. Der Körper kann Histamin aus der Nahrung nicht ausreichend abbauen.
Typische Symptome: Sehr vielfältig – Kopfschmerzen, Hautrötungen, laufende Nase, Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen
Vorkommen: In lang gereiften Lebensmitteln wie reifem Käse, geräuchertem Fleisch, Wein, Sauerkraut

Glutenintoleranz (Zöliakie)
Eine Sonderform: Zöliakie ist weder eine klassische Allergie noch eine reine Unverträglichkeit, sondern eine Autoimmunerkrankung. Der Körper reagiert auf das Klebereiweiß Gluten mit einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut.
Typische Symptome: Durchfall, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Nährstoffmangel
Wichtig: Muss strikt behandelt werden durch lebenslangen Verzicht auf glutenhaltige Getreide (Weizen, Roggen, Gerste)
Abzugrenzen von: Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität – eine weniger schwere Form der Reaktion auf Gluten ohne Autoimmunprozess









 

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